Bad Griesbach. Den richtigen politischen Riecher gehabt zu haben, beteuerten gestern schmunzelnd Konrektor Christoph Obermayer und Lehrer Max Baumgartner als Organisatoren einer Diskussionsrunde mit MdB Dr. Max Stadler (59) an der Realschule. Zeitgleich zu dem Frage- und Antwort-Spiel mit dem FDP-Abgeordneten lief in München die Unterzeichnung des Koalitionsvertrags zwischen CSU und Liberalen. „Heute geht’s mir richtig gut“, betonte der sympathische Passauer denn auch, als die Jugendlichen von ihm wissen wollten, ob er ein glücklicher Mensch sei. Freilich hatte bei der Termin-Absprache für eine weitere Folge der Reihe von Politiker-Besuchen an der Realschule Bad Griesbach keiner geahnt, dass genau an diesem Tag die Regierungsbeteiligung der FDP nach 14-jähriger Abwesenheit im Bayerischen Landtag unter Dach und Fach gebracht werden würde. Umso zufriedener zeigte sich der Gast gestern mit dem Abschluss der Koalitionsverhandlungen, der für ihn auch Klarheit über seine eigene Zukunft brachte: „Ich bleibe in Berlin“ - dort, wo er seit 1994 für die Innenpolitik im Bund mit verantwortlich zeichnet. Dr. Stadler verhehlte gegenüber den Zehntklässlern der Realschule aber auch nicht, einen Wechsel an die Isar in Erwägung gezogen zu haben. „Falls der FDP das Justizministerium zugefallen wäre, hätte ich diese Aufgabe gern übernommen“, legte er seine Ambitionen - auch vom vormaligen Beruf als Richter her - offen. Doch hinter der Entscheidung, dass die Liberalen nun das Wirtschafts- und das Wissenschaftsministerium in Bayern verantworten, stehe er absolut fest, fügte der Bundestagsabgeordnete hinzu und merkte ergänzend an: „Ich habe weiterhin eine schöne Aufgabe in Berlin.“ Keine Antwort blieb Dr. Stadler ebenso schuldig, was die Höhe des monatlichen Verdienstes für dieses Amt betrifft. Auf rund 7000 Euro brutto bezifferte er die Diäten plus Aufwandspauschale, „die man tatsächlich braucht“ - beispielsweise für Reisekosten, Ausgaben für eine Wohnung in Berlin und Hotelunterbringung. „Das ist sehr gut“, räumte der Politiker ein, gab aber auch zu bedenken, dass dieses Gehalt mit der Tatsache erkauft werde, viel unterwegs und oft weg von Zuhause zu sein - ganz abgesehen von einem in der Regel Zehn- bis Elf-Stunden-Arbeitstag, wobei er sich bemühe, den Sonntag nach Möglichkeit für die Familie frei zu halten. „Das geht nicht immer“, bedauerte der FDP-ler, der auch dem Passauer Stadtrat angehört. Ob sich sein Sohn für Politik interessiere? „Der wird jetzt 15“, erzählte Dr. Stadler, der zumindest in einzelnen Fragen ein vermehrtes Interesse seines Sprösslings feststellt. Beim gemeinsamen Frühstück mit der Zeitung in der Hand gebe es stets auch Gespräche über politische Themen. „Meine Frau sagt mir schon immer, was wir falsch machen“, verriet der Jurist augenzwinkernd. Seinen Zuhörern gestern empfahl er, sich politisch zu engagieren. „Wenn man nicht selbst bestimmt, dann bestimmen andere über einen“, nannte er den Grundsatz, der ihn als Zehntklässler am Gymnasium Leopoldinum in Passau dazu angespornt habe, sich um öffentliche Dinge zu kümmern und schließlich der FDP beizutreten. Als aktuelles Beispiel dafür, durch politisches Engagement etwas bewegen zu können, führte der Liberale die Verankerung des Einsatzes für eine Verbesserung der bisher „vorsintflutlichen“ Bahnverbindung zwischen Passau und München im Koalitionsvertrag an. Es gebe die Vereinbarung, dass der neue bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil, zugleich Partei- und persönlicher Freund Dr. Max Stadlers, als eine seiner ersten Amtshandlungen Regionalkonferenzen zum Schienenverkehr einberufe - und wiederum als eine der ersten die für Niederbayern. Zuhören und aufnehmen zu können, was die Menschen für Probleme haben, hob der Gast denn auch als die Grundvoraussetzung für den Politiker-Beruf hervor. Man dürfe den Kontakt zur Bevölkerung nicht verlieren und müsse außerdem in der Lage sein, Entscheidungen zu treffen, bekundete der FDP-Mann, den eingangs Realschulrektor Albrecht Wolfrum begrüßte hatte. Der Schulleiter sah in der geringen Wahlbeteiligung von 53,9 Prozent bei der jüngsten Landtagswahl ein „großes Warnzeichen“. Also fast die Hälfte der Wahlberechtigten, darunter auch sehr viele Jungwähler, hätten kein Interesse gezeigt, so Wolfrum, der die Ansicht vertrat, auch die Politiker in die Pflicht nehmen zu müssen, näher am Volk zu sein und Politik verständlich zu machen. Dass dies bei Dr. Stadler der Fall sei, davon gab sich der Pädagoge schon vor der gelungenen Veranstaltung überzeugt: „Sie können unsere Sprache sprechen, auch die der Schüler“. - br